Welche Abrechnungsmodelle gibt es bei SEO?
Die Modelle unterscheiden sich darin, was Sie kaufen: Arbeitszeit, ein definiertes Ergebnis oder einen Erfolg. Ahrefs nennt in seinem deutschen Ratgeber (Stand Juli 2026) drei Modelle, nämlich Retainer, Stundensatz und Projektpreis. Evergreen Media und Ucentric Media ergänzen die erfolgsabhängige Vergütung, Ucentric zusätzlich die wertebasierte.
| Modell | Sie kaufen | Typischer Einsatz | Richtwerte aus Anbieterquellen |
|---|---|---|---|
| Retainer | laufende Betreuung zum festen Monatsbetrag | Inhalte, Technik und Links als Dauerthema | Ahrefs (Juli 2026): Freelancer 500 bis 2.000 €, kleine Agentur 1.000 bis 3.000 €, mittlere und große Agentur 3.000 bis 10.000 € pro Monat |
| Stundensatz | Arbeitszeit | Beratung, Audit, Einzelaufgaben | Ahrefs: 80 bis 200 €; Ucentric (März 2026): 75 bis 150 €; Evergreen (Oktober 2026): 150 bis 300 € |
| Festpreis | ein beschriebenes Ergebnis | Audit, Keyword-Recherche, Relaunch | Ahrefs: Audit 1.000 bis 5.000 €, Keyword-Recherche 500 bis 2.000 €, Onpage-Optimierung 1.500 bis 6.000 € |
| Erfolgsabhängig | Vergütung für eine Position, einen Besucher oder eine Anfrage | selten empfohlen | Evergreen: Platz 1 etwa 33,33 € pro Tag, je Platz 10 % weniger, ab Platz 11 nichts; 1 bis 10 € je zusätzlichem Besucher |
Die Zahlen der Quellen liegen weit auseinander, etwa beim Stundensatz mit 75 bis 150 € bei Ucentric und 150 bis 300 € bei Evergreen. Alle genannten Quellen sind selbst Anbieter, vergleichen Sie deshalb die Struktur eines Angebots und nicht eine einzelne Zahl. Unsere eigenen Preise stehen auf der Seite SEO-Kosten, den Aufbau eines Monatsbetrags erklärt der Beitrag SEO Kosten monatlich.
Für wen lohnt sich ein monatlicher Retainer?
Ein Retainer lohnt sich, wenn SEO ein Dauerthema ist: Inhalte entstehen laufend, Technik und Links brauchen Pflege, und Ergebnisse zeigen sich erst über Monate. Nach SEO-Küche rechnen rund 75 Prozent der Agenturen monatlich ab, das stützt sich auf eine Ahrefs-Umfrage in US-Dollar. Der Nachteil liegt im Umfang: Ein Monatsbetrag ohne Stunden oder Liefergegenstände lässt sich weder prüfen noch mit einem anderen Angebot vergleichen.
Zur Laufzeit gehen die Angaben auseinander. Ucentric hält 3 bis 12 Monate bis zu ersten Ergebnissen für üblich, mehr als 18 Monate nur bei großen Unternehmen mit starker Konkurrenz und ab 24 Monaten Zweifel für angebracht. Evergreen nennt 6 bis 24 Monate. Lassen Sie im Angebot festhalten, wie viele Stunden oder welche Liefergegenstände pro Monat enthalten sind und mit welcher Frist Sie kündigen können.
- Umfang: Stunden oder Liefergegenstände pro Monat
- Laufzeit: Mindestdauer und Kündigungsfrist
- Nachweis: monatlicher Bericht mit Datum und Tätigkeiten
- Zugriff: Search Console und Analytics gehören Ihnen
Wann passen Stundensatz oder Festpreis besser?
Stundensatz und Festpreis passen zu Aufgaben mit einem Anfang und einem Ende. Beim Stundensatz kaufen Sie Zeit, beim Festpreis ein Ergebnis. Welches von beiden besser ist, hängt davon ab, ob sich das Ergebnis vorab beschreiben lässt.
Stundensatz für Beratung und Einzelaufgaben
Der Stundensatz passt, wenn der Umfang offen ist, etwa bei einer Beratung oder einer ersten Keyword-Strategie. Netgrade rechnet vor, dass 500 € bei 100 € Stundensatz fünf Stunden ergeben, genug für zwei bis drei Seiten Onpage-Optimierung. Der Nachteil laut SEO-Küche: Auftraggeber können die abgerechneten Stunden kaum prüfen. Vereinbaren Sie deshalb ein Stundenlimit und einen datierten Tätigkeitsnachweis, Ucentric rechnet im Viertelstundentakt ab. Stundensätze unter 60 € bezeichnet Ucentric als fast nie seriös.
Festpreis für abgegrenzte Ergebnisse
Der Festpreis passt, wenn Sie das Ergebnis beschreiben können: ein SEO-Audit, eine Keyword-Recherche oder die Begleitung eines Relaunchs. Evergreen arbeitet mit Liefergegenständen, die im Angebot für zwölf Monate einzeln aufgeführt sind. Verlangen Sie ein Leistungsverzeichnis, das festlegt, welche Seiten, wie viele Suchbegriffe und welches Dokument Sie am Ende erhalten, und wann die Abnahme erfolgt.
Wie sicher ist eine erfolgsabhängige Vergütung?
Erfolgsabhängige Modelle klingen fair, gelten in den Quellen aber als das riskanteste Modell für Auftraggeber. Es gibt vier Varianten: Bezahlung je Position, je Besucher, je Anfrage oder Verkauf und die Umsatzbeteiligung. Netgrade nennt die Abrechnung nach Rankings ein Auslaufmodell mit dem Risiko von Black-Hat-Methoden, Ucentric rät meist ab, weil sich Ziele manipulieren lassen, und Evergreen bezeichnet die Gewinnbeteiligung als selten, weil die Agentur die Finanzen nicht sieht.
Die Fallen lassen sich benennen. Wer pro Position bezahlt wird, hat einen Anreiz, leichte Suchbegriffe zu wählen. Zählen Markensuchen mit, bringt die Agentur Ergebnisse, die ohnehin gekommen wären. Bei Umsatzprovisionen sind Brutto oder Netto und der Datenzugriff offen, so netgrade. Eine Rangzusage ist außerdem kein Qualitätsmerkmal: Google schreibt, dass niemand Platz 1 garantieren kann. Ucentric hält eine Mischung aus Grundstundensatz und Provision für sinnvoll, wenn Grundsatz und Ziele realistisch sind.
Dienstvertrag oder Werkvertrag: Was gilt bei SEO-Verträgen?
Ob ein SEO-Vertrag ein Dienst- oder ein Werkvertrag ist, entscheidet der Inhalt der Vereinbarung und nicht die Überschrift. Beim Dienstvertrag schuldet die Agentur ihre Tätigkeit (§ 611 BGB), beim Werkvertrag einen Erfolg (§ 631 BGB). Nach einem Beitrag in der ZAP 12/2015 ist die vorherrschende Ansicht, dass SEO- und SEA-Verträge Dienstverträge sind; genannt wird das Urteil des Landgerichts Köln vom 20.02.2015 (Az. 12 O 186/13). Der Bundesgerichtshof hat für diese neueren Vertragstypen noch nicht entschieden.
Das Gegenbeispiel liefert eine konkrete Zusage. Das Amtsgericht Düsseldorf entschied am 17.07.2008 (Az. 39 C 5988/08), dass ein Kunde kündigen und Vorauszahlungen zurückfordern konnte, weil die Agentur eine Platzierung unter den ersten zehn zugesagt hatte. Für Sie folgt daraus: Eine Platzierung als Ziel oder Prognose ist etwas anderes als eine Zusage. Wer Vertragsklarheit will, lässt Ziele, Berichte und Kündigung schriftlich regeln und den Entwurf anwaltlich prüfen.
Welches Modell passt zu welcher Ausgangslage?
Das passende Modell folgt aus Ihrer Ausgangslage und nicht aus dem Preis. Die Tabelle ordnet fünf typische Situationen einem Modell zu und nennt, was Sie im Angebot prüfen.
| Ihre Ausgangslage | Passendes Modell | Das prüfen Sie im Angebot |
|---|---|---|
| Sie kennen den Zustand Ihrer Website nicht | Audit zum Festpreis, danach entscheiden | Umfang des Audits und Form des Ergebnisdokuments |
| Ihr Team schreibt selbst, Fachwissen fehlt | Stundenkontingent oder Beratungstage | Stundenlimit und datierter Nachweis |
| Mehrere Seiten, dauernder Wettbewerb | Retainer mit Leistungskatalog | Stunden oder Liefergegenstände pro Monat, Kündigungsfrist |
| Relaunch oder klar umrissene Aufgabe | Festpreis pro Projekt | Leistungsverzeichnis und Abnahme |
| Angebot nur auf Provision | Mischmodell mit Grundhonorar prüfen | Suchbegriffe, Markensuchen, Datenzugriff |
Ein Rechenbeispiel zeigt, warum der Umfang zählt. Bei 1.000 € im Monat und einem Stundensatz von 100 € stehen zehn Arbeitsstunden zur Verfügung. Ein Retainer, der alles Mögliche verspricht, aber keine Stundenzahl nennt, lässt sich damit nicht einordnen. Ob sich der Betrag am Ende rechnet, zeigt der Vergleich mit dem Wert einer Anfrage, den der Beitrag SEO oder Google Ads vorrechnet.
Welche Fragen sollten Sie vor der Unterschrift stellen?
Stellen Sie die Fragen, die Google selbst für die Auswahl eines SEO-Dienstleisters empfiehlt, und ergänzen Sie die Punkte zu Preis und Laufzeit. Die Antworten sollten schriftlich im Angebot stehen.
- Was ist im Preis enthalten: Stunden pro Monat oder konkrete Liefergegenstände?
- Wie lange läuft der Vertrag und mit welcher Frist kann ich kündigen?
- Welche Ergebnisse erwarten Sie, in welchem Zeitraum, und wie messen Sie Erfolg?
- Können Sie Beispiele früherer Arbeit zeigen?
- Welche Zugänge brauchen Sie, und bleiben Search Console und Analytics in meinem Besitz?
- Versprechen Sie ein Ranking? Google sagt, dass das niemand garantieren kann.
- Sind die Beträge netto oder brutto, und was kommt für Tools, Texte oder Links hinzu?
- Gibt es einen monatlichen Bericht, der Maßnahmen und Ergebnisse nachvollziehbar trennt?
Für Zugänge rät Google bei einem Audit zu reinem Lesezugriff auf die Search Console. Wie Sie einen Anbieter insgesamt bewerten, steht im Beitrag SEO-Agentur finden, welche Kennzahlen ein Bericht enthalten sollte, im Beitrag SEO-Erfolg messen.
