Warum Weiterleitungen beim Relaunch entscheidend sind
Ein Relaunch verändert oft die Adressen. Neue Struktur, neues System oder eine neue Domain führen dazu, dass alte URLs nicht mehr existieren. Ohne Weiterleitung landen Besucher auf einer Fehlerseite, und Links von anderen Websites verlieren ihren Wert.
Google schreibt, dass 301-Weiterleitungen und andere permanente Weiterleitungen keinen Verlust von PageRank verursachen. Ein Ratgeber von Evergreen Media aus dem Oktober 2026 beschreibt dagegen einen Dämpfungsfaktor pro Weiterleitung. Wir folgen der Google-Aussage. Trotzdem gilt: so viele Weiterleitungen wie nötig, aber jede möglichst präzise.
Die Redirect-Map erstellen
Die Redirect-Map ist die Tabelle, die jede alte Adresse einer neuen zuordnet. Sie ist das Herzstück der Umsetzung. Eine gute Redirect-Map hat zwei Spalten: die alte URL und das neue Ziel.
Gehen Sie in drei Schritten vor:
- Bestand erfassen. Crawlen Sie die bestehende Website mit einem Tool wie Screaming Frog und exportieren Sie alle URLs. Ergänzen Sie die URLs aus der Search Console, weil dort Seiten stehen, die ein Crawl nicht findet.
- Ziele zuordnen. Ordnen Sie jede alte URL der Seite mit passendem Inhalt zu. Ein Beispiel aus der Praxis: /leistungen/webdesign.html wird zu /leistungen/webseite-erstellen.
- Sonderfälle entscheiden. Zusammengelegte Seiten brauchen eine bewusste Entscheidung. Seiten ohne Nachfolger antworten mit 404 oder 410.
Priorisieren Sie Seiten mit eingehenden Links und mit Rankings. Die Auswahl laut t3n stützt sich auf Ahrefs, Search Console, Google Analytics und Sistrix. Jede alte URL mit Nachfolger bekommt ihre Weiterleitung auf das passende Ziel, Seiten ohne Nachfolger antworten mit 404 oder 410, so Dr. Web.
Keine Sammelweiterleitung auf die Startseite
Der häufigste Fehler ist die Sammelweiterleitung. Alle alten Adressen zeigen dann auf die Startseite. Dr. Web und Olaf Kopp von Aufgesang warnen davor. Laut Dr. Web kann Google solche Ziele als Soft-404 werten, und Besucher finden ihr Thema nicht mehr.
Leiten Sie deshalb jede alte Seite auf die inhaltlich passende neue Seite um. Fehlt ein Nachfolger, ist eine 404-Seite ehrlicher als eine falsche Umleitung. Prüfen Sie außerdem, ob es Seiten gibt, auf die noch externe Links zeigen. Für diese lohnt sich eine Weiterleitung auf den besten Nachfolger besonders.
301 oder 302: Welcher Statuscode passt?
Für einen dauerhaften Umzug ist die 301 die richtige Wahl. Eine 302 oder 307 signalisiert, dass die Änderung nur vorübergehend ist. Bei einem Relaunch ist das falsch, weil die alte Adresse dann in den Suchergebnissen bleiben kann.
Google empfiehlt ausdrücklich 301 oder 308 für dauerhafte Umzüge. Laut Dr. Web bleibt bei einer 302 die alte Adresse in den Ergebnissen. Diese Aussage findet sich nicht in der Google-Dokumentation. Für Zwischenlösungen sind temporäre Codes in Ordnung, für den Relaunch nicht.
Prüfen Sie jede Weiterleitung mit einem Befehl wie curl -I. Er zeigt den echten Statuscode. Dr. Web nennt dieses Vorgehen in einem Zitat aus der Praxis, um 301 von einer versehentlichen 302 zu unterscheiden.
301-Weiterleitung einrichten
Die Suche nach diesem Begriff zeigt vor allem Anleitungen zur Einrichtung. Die Methode hängt vom System ab. Die Beispiele folgen den Anleitungen von Position One und SEO-Küche.
- Apache (.htaccess): Für eine einzelne Seite genügt eine Zeile: Redirect 301 /alte-seite.html https://www.beispiel.de/neue-seite. Für Bedingungen wie HTTP auf HTTPS nutzen Sie mod_rewrite mit RewriteRule … [R=301,L].
- Nginx: Im Serverblock setzen Sie return 301 https://www.beispiel.de$request_uri;, zum Beispiel für die Umleitung auf die Variante mit https.
- WordPress: Plugins wie Redirection, Rank Math oder Yoast SEO Premium legen 301-Weiterleitungen ohne Code an. Das ist die einfachste Lösung ohne Serverzugriff.
- PHP: Die Seite sendet den Header HTTP/1.1 301 Moved Permanently und darunter Location mit der neuen Adresse, so SEO-Küche.
- Prüfen: Rufen Sie die alte Adresse auf und kontrollieren Sie, ob der Statuscode 301 ist und die Zieladresse stimmt.
Beispiel-Zuordnung aus der Praxis
Die Redirect-Map ordnet jeder alten URL genau ein Ziel zu. Die folgende Tabelle folgt dem Muster der Beispiele bei Dr. Web. Die Ziele sind Beispiele und keine Vorgaben für Ihre Website.
| Alte Adresse | Ziel | Statuscode | Begründung |
|---|---|---|---|
| /leistungen/webdesign.html | /leistungen/webseite-erstellen | 301 | Gleiches Angebot unter neuer Struktur |
| /blog/was-kostet-eine-website | /ratgeber/was-kostet-eine-website | 301 | Gleicher Ratgeber im neuen Bereich |
| Seite ohne Nachfolger | kein Ziel | 404 oder 410 | Kein passender Inhalt, daher keine Weiterleitung auf die Startseite |
Ketten vermeiden
Eine Weiterleitungskette entsteht, wenn eine alte Adresse auf eine zweite umleitet, die wiederum auf eine dritte zeigt. Laut t3n müssen solche mehrfachen 301-Ketten durch direkte Weiterleitung auf die neue URL beseitigt werden.
Lösen Sie Ketten auf, indem Sie jede alte Adresse direkt auf das endgültige Ziel zeigen lassen. Ein Crawl mit dem Report zu Weiterleitungsketten findet solche Fälle. Auch interne Links sollten direkt auf das Ziel zeigen und nicht auf eine Weiterleitung.
Häufige Fehler beim Go-live
Viele Relaunches verlieren Rankings durch wenige, immer wiederkehrende Fehler:
- Sammelweiterleitung auf die Startseite. Google kann sie als Soft-404 werten, so Dr. Web.
- 302 statt 301. Die alte Adresse bleibt dann in den Ergebnissen, so Dr. Web.
- Testumgebung geht live. Noindex oder eine robots.txt-Sperre aus der Testumgebung landet auf dem Live-Server. Das nennen Dr. Web und Olaf Kopp.
- Tracking vergessen. Analytics und Werbepixel müssen nach dem Umbau wieder eingebaut und geprüft werden, so t3n und Kopp.
- Interne Links auf alte Adressen. Sie sollten auf die neuen URLs zeigen, so t3n.
Prüfung nach dem Go-live
Die Weiterleitungen müssen am Tag des Go-live funktionieren. Gehen Sie wie folgt vor:
- Alle alten URLs aus der Redirect-Map aufrufen und den Statuscode prüfen. Er muss 301 sein.
- Die Ziel-URLs müssen den Statuscode 200 liefern.
- Den Crawl der Live-Seite mit der Liste alter URLs vergleichen. Neue 404-Fehler müssen Sie korrigieren.
- Testumgebungen dürfen nicht live gehen. Prüfen Sie, dass keine noindex-Angabe und keine Sperre in der robots.txt aus der Testumgebung übrig geblieben sind.
- Die neue XML-Sitemap einreichen und nur neue, erreichbare Adressen darin nennen.
Ein Ratgeber von Dr. Web empfiehlt, den Go-live auf einen Dienstag oder Mittwoch zu legen, damit genug Arbeitstage zur Korrektur bleiben. Den Gesamtablauf vom Bestand bis zum Monitoring beschreibt der Beitrag Website-Relaunch ohne SEO-Verlust.
Monitoring in den ersten Wochen
Eine Weiterleitung allein beweist noch nichts. Beobachten Sie die Website über mindestens 90 Tage. Dieser Zeitraum ist unsere eigene Empfehlung, keine Vorgabe von Google. Laut Evergreen Media dauert die Erholung der Sichtbarkeit oft 8 bis 12 Wochen. Der Ratgeber nennt außerdem bis zu drei Monate, die Google zum Verarbeiten eines Umzugs braucht.
Prüfen Sie wöchentlich:
- den Bericht zur Indexierung in der Search Console auf neue Fehlerseiten,
- die Klicks der wichtigsten Seiten im Vergleich zum Zeitraum vor dem Relaunch,
- die Server-Logs auf 404-Fehler und Serverfehler wie 500.
Halten Sie die Weiterleitungen so lange wie möglich, laut Google-Dokumentation in der Regel mindestens ein Jahr.
Ein Wort zur Domain
Bei einem Wechsel der Domain oder Subdomain gilt zusätzlich das Tool zur Adressänderung in der Search Console. Google schreibt, dass der Zeitraum nach dem Wechsel es Google erlaubt, alle Signale auf die neuen URLs zu übertragen. Eine feste Dauer in Tagen nennt Google dort nicht. Wenn nur Pfade innerhalb derselben Domain wechseln, braucht es dieses Tool nicht.
Die Checkliste im Überblick
- Bestand mit einem Crawl und der Search Console erfassen.
- Redirect-Map mit einer Zeile pro alte URL anlegen.
- Jede Zuordnung auf die inhaltlich passende Seite prüfen, nicht auf die Startseite.
- Alle Weiterleitungen als 301 anlegen, keine 302.
- Ketten auflösen, sodass jede alte URL direkt auf das Ziel zeigt.
- Am Go-live alle alten URLs mit dem Statuscode prüfen.
- Testumgebung ohne noindex und robots.txt-Sperre live schalten.
- Neue XML-Sitemap einreichen.
- Neue 404-Fehler wöchentlich prüfen, mindestens 90 Tage lang.
Wenn Sie einen Relaunch planen, bietet Webdesign Hannover die technische Umsetzung inklusive Weiterleitungen an. Die Grundlagen zum Crawling erklärt die technische SEO-Checkliste.
