Wozu ein Canonical-Tag dient
Dieselbe Seite ist oft unter mehreren Adressen erreichbar. Typische Ursachen sind Parameter für Sortierung oder Filter, Varianten mit und ohne www, Adressen mit http und https oder Druckversionen. Google fasst solche Adressen zu einer Gruppe zusammen und wählt daraus eine Hauptversion für die Suchergebnisse.
Der Canonical-Tag sagt Google, welche Version Sie bevorzugen. Er steht im Kopfbereich der HTML-Seite:
Beispiel im Quelltext: <link rel="canonical" href="https://www.beispiel.de/leistungen/seo-audit/" />
Google nennt mehrere Faktoren für die Auswahl der Hauptversion. Dazu gehören die Angabe per rel=canonical, Weiterleitungen, die Aufnahme in die Sitemap und die Adresse mit https. Stimmen diese Signale nicht überein, kann Google eine andere Seite wählen als die, die Sie angegeben haben.
Ein Tag zwischen zwei Seiten, die völlig verschieden sind, wird nicht übernommen. Duplikate im engeren Sinn sind Seiten, deren Hauptinhalt in derselben Sprache gleich ist. Wer nur Kopf- oder Fußzeile übersetzt, erzeugt damit keine eigenständige Seite.
Selbst-Canonical: Jede Seite verweist auf sich selbst
Eine Seite, die keine andere Version bevorzugt, sollte auf sich selbst verweisen. Ein sogenannter Selbst-Canonical verhindert, dass Parameter, Tracking-Zusätze oder Varianten als eigene Adresse durchrutschen. Viele Content-Management-Systeme setzen ihn von allein.
Achten Sie dabei auf drei Punkte. Verwenden Sie die absolute Adresse mit https. Die Adresse muss mit Ihrer bevorzugten Schreibweise übereinstimmen, also mit oder ohne www und mit oder ohne abschließenden Schrägstrich. Und die Seite muss mit dem Statuscode 200 erreichbar sein.
Regeln für die Umsetzung
Die Best-Practice-Regeln von Semrush und Löwenstark stimmen weitgehend überein:
- Setzen Sie genau einen Canonical pro Seite. Mehrere Tags können dazu führen, dass alle ignoriert werden.
- Verwenden Sie absolute Adressen mit dem richtigen Protokoll, also https, wenn die Seite https nutzt.
- Halten Sie die Schreibweise einheitlich, mit oder ohne www und mit oder ohne abschließenden Schrägstrich.
- Verweisen Sie nicht auf eine Adresse, die umgeleitet wird, sondern auf das endgültige Ziel.
- Kombinieren Sie den Canonical nicht mit noindex auf derselben Seite. Löwenstark warnt davor.
Typische Fehler: Startseite und Parameter
Die häufigsten Fehler betreffen zwei Gruppen.
Alle Unterseiten zeigen auf die Startseite. Das passiert oft bei Templates, die einen festen Canonical setzen. Google sieht dann keine eigenständige Seite mehr für jede Leistung oder jeden Artikel. Prüfen Sie stichprobenartig, ob jede Unterseite auf sich selbst verweist.
Parameter-Adressen zeigen auf eine andere Seite. Filter und Sortierungen erzeugen Adressen mit Zusätzen wie ?sort=preis. Die Parameter-Adresse sollte auf die saubere Hauptadresse verweisen. Ein Canonical auf eine Seite, die selbst umgeleitet wird, ist ein Fehler. Setzen Sie den Tag auf das endgültige Ziel.
Weitere Fehler, die Ratgeber häufig nennen:
- Mehrere Canonical-Tags auf einer Seite. Dann können alle ignoriert werden, und ein CMS-Standard setzt manchmal versehentlich zusätzliche Tags.
- Ein Canonical auf http, obwohl die Seite https nutzt.
- Ein Canonical auf eine Seite, die nicht zum Thema passt. Der Tag ist für echte Duplikate gedacht, nicht dafür, Signale von fremden Inhalten zu bündeln.
- Eine Paginierung, bei der jede Folgeseite auf Seite eins zeigt. Laut Semrush ist das oft falsch.
Canonical im Content-Management-System setzen
Viele Systeme haben eine Canonical-Einstellung von Haus aus. Semrush nennt Magento, WordPress, Wix und Shopify als Beispiele, mit sehr unterschiedlichem Aufwand. In WordPress setzen Sie den Canonical pro Seite über den erweiterten Bereich von Yoast oder RankMath. Wix verweist Seiten standardmäßig auf sich selbst. Bei Shopify lässt sich der Canonical laut Semrush nicht direkt setzen. Dort helfen Anpassungen an den Theme-Dateien.
Für Dateien ohne HTML-Kopf, etwa PDFs, nutzt Semrush statt des Tags einen HTTP-Header. Der Header wird in der Serverkonfiguration gesetzt, bei Apache zum Beispiel in der .htaccess-Datei.
Konflikt mit der Sitemap
Die XML-Sitemap sollte nur die Adressen enthalten, die Sie als Hauptversion sehen. Ein Widerspruch entsteht, wenn die Sitemap eine URL nennt, deren Canonical auf eine andere Seite zeigt. Google erhält dann zwei verschiedene Signale.
Stellen Sie deshalb sicher, dass jede URL in der Sitemap auf sich selbst verweist. Enthält die Sitemap eine Parameter-Adresse oder eine Weiterleitung, entfernen Sie sie. Die Regeln dazu erklärt der Beitrag zur XML-Sitemap und robots.txt.
Canonical, Sitemap und interne Links sollten dieselbe Version nennen. Stimmen alle drei überein, fällt die Entscheidung für Google leicht.
Canonical oder 301-Weiterleitung
Eine 301-Weiterleitung ist der sauberere Weg, wenn eine Adresse nicht mehr gebraucht wird. Semrush nennt den Canonical als Ausweg, wenn sich ein Löschen oder eine Weiterleitung nicht umsetzen lässt. Bei Duplikaten mit http und https, mit oder ohne www oder mit oder ohne Schrägstrich ist die Weiterleitung oft die bessere Lösung, weil danach nur eine Adresse erreichbar bleibt. Die Abgrenzung zu anderen Mitteln erklärt der Beitrag zur Keyword-Kannibalisierung. Die Einrichtung einer 301 zeigt der Beitrag 301-Weiterleitungen beim Relaunch.
Canonical und noindex nicht kombinieren
Ein Canonical und ein noindex auf derselben Seite senden widersprüchliche Signale. Wer die Seite aus dem Index nehmen will, nutzt noindex. Wer eine Duplikat-Seite zusammenführen will, nutzt den Canonical oder eine 301-Weiterleitung. Mehr zu den Unterschieden finden Sie im Beitrag zur Keyword-Kannibalisierung.
Prüfung in der Search Console
Die Search Console zeigt, wie Google Ihre Canonicals verarbeitet. Im Bericht zur Indexierung finden Sie Statusmeldungen zu Duplikaten. Die Meldung „Alternative Seite mit richtigem kanonischen Tag“ (englisch „Alternate page with proper canonical tag“) bedeutet, dass die Seite korrekt auf die bevorzugte Version verweist. Hier ist meist nichts zu tun.
Kritischer ist die Meldung „Duplikat – Google hat eine andere Seite als der Nutzer als kanonische Seite bestimmt“ (englisch „Duplicate, Google chose different canonical than user“). Sie bedeutet, dass Google Ihr Canonical nicht übernommen hat. Vergleichen Sie in der URL-Prüfung beide Seiten. Sind sie inhaltlich gleich, wählt Google die Version, die es für besser hält. Unterscheiden sich die Seiten deutlich, sollten Sie das Canonical korrigieren oder die Inhalte besser trennen. Die einzelnen Statusmeldungen erklärt der Beitrag zu Seiten nicht indexiert.
Eine Gesamtprüfung der technischen Signale, zu denen auch Canonicals gehören, bietet das technische SEO-Angebot. Eine Selbstprüfung ermöglicht die technische SEO-Checkliste.
